Aufgelesen: Max Dauthendey

„Bin allein. Bin der einzige Mensch, der lebt, der einzige, den die Welt geboren. Bin allein. Bin der einzige Gott, der lebt, Gott, der diese Welt geboren.“

Diese Zeilen stammen von dem Dichter Max Dauthendey, geboren 1867 in Würzburg, gestorben 1918 auf Java. Wie vieles, was er schreibt empfinde ich es als schön und traurig zugleich. Dauthendey scheiterte wohl am Leben, an der Realität, aber nur da. In seinem Handeln, seinen Reisen und seinen Gedichten wie Novellen war er nicht nur ein Verkünder der „Weltfestlichkeit“ sondern vor allem ein Kosmopolit. Ich muss sagen, wenn ich Gedichte von ihm lese, dann hinterfrage ich zwangsläufig unser zeitgemäßes ökonomisches Denken.

Kann man behaupten, dass jemand scheiterte, dessen Gedanken uns noch hundert Jahre später erreichen und berühren? Sind wir mit dem Urteil „gescheitert“ vielleicht auch ein bisschen zu voreilig? Möglicherweise scheitern wir selbst ja auch nicht sondern wählen unsere Ziele manchmal nur schlecht?

Vielleicht kommt die Antwort von Dauthendey selbst.

Ich habe Dir so viel zu sagen,
Ich glaub‘  nicht,  dass mein Leben reicht,
Das Leben,  das nach kurzen Tagen
Dem großen Todesschweigen weicht.

Mein Lied soll mir nie sterben gehen,
Sein Leben niemals ihm entflieht.
Wenn Herz und Atem still mir stehen,
Mein Lied noch singend vor Dir kniet.

(„Ich habe Dir so viel zu sagen“)

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